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Home » Lehrplan (Pflicht-/Wahlpflichtfächer) » III Jahrgangsstufen-Lehrplan » Jahrgangsstufe 10 » Physik
10 Physik (2, NTG 2 + Profil)

Physikalische Weltbilder

Bei Jugendlichen dieser Altersstufe entwickelt sich zunehmend Interesse an philo­sophi­schen und weltanschaulichen Themen. Damit verbunden sind auch Fragen nach dem Aufbau und den Gesetz­mäßig­keiten des Mikro- und Makrokosmos. Die Schüler der Jahrgangsstufe 10 erfahren, wie sich das Bild von der Natur aus den Vorstellungen in der Antike über das auf wenigen Prinzi­pien aufbauende System Newtons bis hin zur Quantenphysik entwickelt hat. Hierbei erkennen sie, dass zunehmend verfeinerte Untersuchungs­methoden zu Ergebnissen führen können, die mit den jeweils geltenden Vorstellungen und Theorien nicht in Einklang zu bringen sind und deshalb die Entwicklung neuer umfassenderer Modellvorstel­lungen erzwingen.

Die Schüler verstehen, dass physikalische Erkenntnisse nicht nur einen fundamentalen Wandel des Welt­bilds bewir­ken, sondern auch durch ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Technik die Lebensbedingun­gen des Menschen mitbestimmen können. Sie erkennen dabei die ethische und gesellschaftliche Dimension der physikali­schen For­schung und lernen, diese differenziert zu betrachten.

An ausgewählten Beispielen aus den angegebenen Vertiefungsmöglichkeiten können die Jugendlichen die Fach­inhalte festigen und Fachmethoden weiterentwickeln. Im Rahmen von Referaten und projektartigen Un­ter­richtsverfahren erarbeiten die Schüler selbständig neue Themenbereiche und erweitern ihre Fähigkeiten, Probleme allein oder im Team eigenverantwortlich zu be­handeln und dabei auch wissenschaftliche Arbeits­methoden zu benutzen. Die Anga­ben zu den Unter­richtsstunden sind so gewählt, dass fünf Stunden für spezielle Aktivitäten wie ein Unterrichts­pro­jekt zusätzlich ver­fügbar sind.

Die Schüler des Naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasiums haben im Profilbereich die Möglichkeit, sich mit weitergehenden Inhalten aus der Vorschlagsliste in Ph 10.4 vertraut zu machen und vertie­fen damit ihre Kenntnisse und Fertigkeiten.

In der Jahrgangsstufe 10 erwerben die Schüler folgendes Grundwissen:
  • Sie kennen wichtige Entwicklungsstufen des astronomischen Weltbilds.

  • Sie können für verschiedene Bewegungsvorgänge die wirkenden Kräfte angeben, um damit die zuge­hörige Be­wegungsgleichung aufzustellen und numerisch zu lösen.

  • Sie kennen mathematische Beschreibungen für idealisierte Bewegungen (Wurf, Schwingung, Kreisbe­wegung) und können sie auf Beispiele aus ihrer Erfahrungswelt übertragen.

  • Sie kennen grundlegende Begriffe und Phänomene im Zusammenhang mit Wellen.

  • Sie kennen grundlegende Aussagen der Quantenphysik und deren Auswirkungen auf die Technik und das physikalische Welt­bild.

  • Sie kennen Denk- und Arbeitsweisen der klassischen und modernen Physik und sind sich des Modell­charakters physikali­scher Aussagen und derer Grenzen bewusst.

  • Sie können ein Thema unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Arbeitsmethoden (Experimentieren, Umgang mit Informationen, Präsentieren) selbständig behandeln.

Ph 10.1 Astronomische Weltbilder (ca. 10 Std.)

Die Schüler gewinnen einen Einblick in wesentliche Entwicklungsstationen der Vorstellungen vom Aufbau unseres Planetensystems. Sie lernen auch historische Ansätze kennen, die sich später als korrekturbedürftig erwiesen haben, und solche, die zwar richtig sind, sich aber zunächst nicht durchsetzen konnten. Sie er­fah­ren, dass Erkenntnisse der Physik zur Weiterentwicklung des astronomischen Weltbilds und schließlich zum modernen kosmologischen Weltbild geführt haben.

  • Entwicklung des astronomischen Weltbilds von der Antike bis zu Kepler [ L 10.1.3]
    • ­geozentrisches und heliozentrisches Weltbild vor dem jeweiligen geistesgeschichtlichen und gesell­schaftlichen Hintergrund
    • ­Beschreibung der Bewegungen von Himmelskörpern durch die Gesetze von Kepler
  • Aspekte der modernen Kosmologie
    • ­Urknall, Expansion des Universums, Struktur des Weltalls

Ph 10.2 Die Mechanik Newtons (ca. 26 Std.)

Die Grundlagen der Mechanik Newtons ha­ben sich die Schüler bereits in den vorherigen Jahrgangsstufen erarbeitet, als sie sich im Rahmen der Kinematik und der Dynamik mit der Beschreibung und Deutung von Bewe­gungsab­läufen beschäftigt haben. Sie erkennen nun den großen Fortschritt der kausal erklärenden Theorie Newtons gegenüber dem Vorgehen durch Galilei und Kepler, die für bestimmte Bewegungs­abläufe zwar exakte Beschreibun­gen, aber keine verbindende Theorie angeben konnten.

Die Jugendlichen lernen, wie sie eine Vielfalt von Bewegungen theoretisch und experimentell untersuchen können. Hierzu werden die Ein­flüsse auf einen Körper analysiert und die auf ihn wirkende Gesamtkraft sowie die Anfangs­bedingungen formuliert. Sie erken­nen, dass die aus der Gesamtkraft und dem 2. Newton’schen Gesetz sich erge­bende Be­we­gungsgleichung gelöst werden muss, um Vorhersagen für die Bewe­gung zu ermöglichen. Die Schüler haben in der Jahrgangsstufe 9 für einen Sonderfall (konstante Kraft) eine ana­ly­tische Lösungsmethode für diese Gleichung kennen gelernt. Nun werden sie mit einer einfachen nume­rischen Methode vertraut gemacht, die auch Lösungen für reale Bewegungsabläufe liefert. In erster Linie bestim­men sie die wirkenden Kräfte, interpretieren aus physikalischer Sicht kritisch die sich z. B. aus Simu­lationen ergebenden Ergeb­nisse und vergleichen diese mit entsprechenden experimentellen Daten.

  • Newtons Gesetze als Grundlage für die Beschreibung von Bewegungsabläufen
    • Vertiefungsmöglichkeit: Vergleich mit Ansätzen von Aristoteles und Galilei
  • Eindimensionale Bewegungen
    • Einführung eines einfachen numerischen Verfahrens [ Inf 9.1] zum Lösen der Bewegungsgleichung
    • Überprüfung des Verfahrens anhand der bekannten Funktionen für Bewegungen unter konstanter Kraft­einwirkung
    • Fallbewegung unter Berücksichtigung des Luftwiderstands
    • harmonische Schwingung
    • Vertiefungsmöglichkeit: Energiebetrachtungen zu den untersuchten Bewegungsabläufen
  • Zweidimensionale Bewegungen
    • analytische Behandlung des waagrechten Wurfs
    • realer Wurf
    • Kreisbewegung mit konstanter Winkelgeschwindigkeit, Zentripetalkraft [ M 10.2]
    • Bewegungen unter Einwirkung der Gravitationskraft; Gravitationsgesetz, Planetenbewegung
    • Vertiefungsmöglichkeiten: Videoanalyse realer Bewegungsabläufe, Zentrifugalkraft und Corioliskraft
  • Einblick in die Grenzen der Gültigkeit der Newton’schen Mechanik
    • schwache und starke Kausalität
    • Grundaussagen der speziellen Relativitätstheorie

Ph 10.3 Wellenlehre und Einblick in die Quantenphysik (ca. 15 Std.)

Die Schüler erarbeiten sich grundlegende Kenntnisse über Wellen und deren Ausbreitung. Experimente verdeut­li­chen den Wellen- und Teilchencharakter von Licht sowie von Masseteilchen und führen zu einer neuen Physik – der Quantenphysik. Die Jugendlichen gewinnen einen Einblick in grundlegende Inhalte und Denkweisen dieser Theorie sowie deren Auswirkungen auf moderne Technologien. Dabei wird ihnen be­wusst, dass ihre bisherige, von der klas­sischen Mechanik bestimmte Anschauung in manchen Fällen versagt und dass die Quantenphysik zwangsläufig zu einem funda­men­tal anderen phy­sika­lischen Weltbild führt.

  • Wellenphänomene in verschiedenen Bereichen der Physik
    • Grundbegriffe: Transversal- und Longitudinalwellen
    • Interferenz zweier Wellen, Beugung
    • stehende Wellen
  • Wellencharakter und Teilchencharakter des Lichts
    • Interferenz von Licht am Doppelspalt
    • qualitativer Nachweis des Photoeffekts und dessen Deutung durch Photonen, Energie von Photonen
    • Vertiefungsmöglichkeit: Spektrum elektromagnetischer Wellen
  • Teilchencharakter und Wellencharakter von Elektronen
    • Demonstration der Elektronenbeugung im Experiment
  • Photonen und Masseteilchen als Quantenobjekte
    • Unmöglichkeit der Vorhersage von Einzelereignissen
    • statistische Deutung bei einer großen Anzahl von Quantenobjekten
    • Hinweis auf die Quantenphysik als Grundlage moderner Technologien (z. B. Halbleiter, Laser)
    • Vertiefungsmöglichkeiten: Unbestimmtheitsrelation von Heisenberg (Plausibilitätsbetrachtung bei der Beugung am Ein­fach­spalt, Aufhebung des Bahnbegriffs); Auswirkung der Quantenvorstellung auf Atommodelle [ CNTG 9.3, C 10.1], diskrete Energieniveaus, Orbitalmodell

Ph 10.4 Profilbereich am NTG

Im Profilbereich vertiefen die Schüler des Naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasiums anhand von Themen aus der unten aufgeführten Vorschlagsliste die in Ph 10.1 bis Ph 10.3 beschriebenen Inhalte. Die Auswahl der Themen orientiert sich an den Interessen der Schüler und bietet damit viele Anknüpfungspunkte an persönliche Erfahrungen. Die Jugendlichen verwenden aufwändigere experimentelle und mathematische Verfahren und erreichen damit auch ein höheres Abstraktionsniveau. An Beispielen aus der modernen Technologie wenden die Schüler die ihnen bekannte problemorientierte Vorgehensweise der Technik an.

Schülerzentrierte Unterrichtsformen, wie z. B. arbeitsteiliger Gruppenunterricht, Schülerexperimente oder Projektun­terricht, ermöglichen den Jugendlichen in verstärktem Maß, selbständig und selbstverantwortlich zu arbeiten. Das fördert nicht nur die Weiterentwicklung ihrer naturwissenschaftlichen Kompetenzen, sondern auch allge­meine Arbeitstechniken wie den Umgang mit Information, die Zusammenarbeit im Team und das Präsentieren der gewonnenen Ergebnisse.

Die angegebenen Inhalte sind als Anregungen zu verstehen.

Probleme aus der Dynamik

  • Physik und Sport [ S 10.2]

    optimaler Wurf, Sprung, usw.; Magnuseffekt bei Ballspielarten (Topspin)

  • Flugphysik

    Experimente mit dem Windkanal, Bau von Modellraketen, Vermessung der Flughöhe

  • Kräfte in beschleunigten Bezugsystemen
    Zentrifugalkraft, Corioliskraft, Wetterphänomene, Drift von Flüssen
  • Physik auf dem Jahrmarkt
    Messung von Geschwindigkeiten und Beschleunigungen bzw. Kräften bei Fahrgeschäften, Diskussion von Sicherheitsbestimmungen
  • Nichtlineare Dynamik und Strukturbildung

    Sensitivität, Ordnung und Chaos, Bifurkationsszenario, Iteration und Rückkopplung, Selbstorganisation, Fraktale; Beispiele aus verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaft

Physik am Computer

  • Computermodellierung [ Inf 10.3]

    Verwendung eines Modellbildungssystems, Fehler durch numerische Verfahren

  • Computersimulation eines komplexeren mechanischen Systems [ Inf 10.3]

    Zwei- oder Dreikörperproblem, ebenes Pendel

Kosmologie

  • Sternentwicklung, kosmische Größenordnungen

Wellen und Quanten in der Technik

  • Anwendungen von elektromagnetischen Wellen

    Funk- und Telekommunikation, Experimente mit dem Mikrowellenofen

  • Resonanz

    Experimente zu erzwungenen Schwingungen, Resonanzkatastrophe

  • Akustik

    Schallpegel, Untersuchungen an Instrumenten, Fourier-Analyse, Physik des Hörens

  • Ausblick auf zukunftsträchtige Anwendungsmöglichkeiten der Quantenphysik

    Quantenkryptographie, Quantencomputer

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