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11 Chinesisch (spätbeginnend) (3)

Aufgrund der pragmatischen Ausrichtung des Faches als spätbeginnender Fremdsprache liegt für die Schüler der Schwerpunkt auf der Bewältigung von einfachen Kommunikationssituationen vor allem im Bereich des Mündlichen. Im Bereich der Schriftsprache steht ebenfalls der Anwendungsbezug im Vordergrund, hier vor allem die Ausbildung des Leseverstehens, zunehmend auch von Texten in Schriftzeichen. Der Blick der Jugendlichen weitet sich dabei allmählich über die Erfordernisse alltagsnaher Kommunikation hinaus in Richtung Interkulturalität: Sie arbeiten teils bereits selbständig mit verschiedenartigen Quellen, beschäftigen sich mit wichtigen Themen und Entwicklungen im chinesischen Sprach- und Kulturraum und erweitern so ihre interkulturelle Kompetenz. In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Aspekten der chinesischen Lebenswirklichkeit und ihrer historischen Voraussetzungen im 19. und 20. Jahrhundert gelangen sie zu einem vertieften Verständnis des heutigen China. Ihre Freude an der chinesischen Sprache wird durch die Begegnung mit authentischen Materialien, vor allem mit Sachtexten, punktuell aber auch mit kurzen, ästhetisch ansprechenden literarischen Texten gefördert.

Im Rahmen je eines Unterrichtsmoduls vertiefen die Schüler in den Jahrgangsstufen 11 und 12 gezielt landeskundliche und interkulturelle Aspekte. Der methodische Schwerpunkt ergibt sich jeweils abhängig von der Themenwahl; außerschulische Kontakte in diesem Zusammenhang sind wünschenswert, sofern sie sich anbieten.

In der Jahrgangsstufe 11 erwerben die Schüler folgendes Grundwissen:
  • die kommunikativen Fertigkeiten und sprachlichen Mittel zur elementaren Sprachverwendung entsprechend der Stufe A1, im Leseverstehen A2, des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens

  • die Kenntnisse und Fertigkeiten, die zur Erschließung von einfachen didaktisierten Texten und zur Erstellung sehr einfacher (Dialog-)Texte zu bekannten Themen in der lateinischen Lautumschrift Hanyu Pinyin und zunehmend auch in chinesischen Schriftzeichen befähigen

  • Kenntnisse zu weiteren Alltagsbereichen sowie zur Bewältigung von häufigen Alltagssituationen im Rahmen eines Aufenthalts in China; Kenntnisse zur neueren Geschichte Chinas; Einblicke in politische und gesellschaftliche Gegebenheiten und Entwicklungen, auch im Vergleich mit der Situation im eigenen Land

  • zunehmend eigenständiger Umgang mit Hilfsmitteln und Medien; zunehmend selbständige Organisation von Lern- und Arbeitsprozessen

Chispb 11.1 Sprache

Die Schüler festigen die Fertigkeiten und Kenntnisse aus dem ersten Lernjahr – auch durch regelmäßige Wiederholung – und erweitern themenspezifisch ihren Wortschatz und die aktiv verfügbaren Strukturen. Im Sprechen und im Schreiben agieren sie allmählich sicherer. In der Begegnung mit chinesischsprachigen Texten und Kommunikationssituationen verbessern sie – auch unter Rückgriff auf Hilfsmittel – ihr Hör- und Leseverstehen. Die Pinyin-Umschrift spielt weiterhin eine wichtige Rolle beim Ausbau der sprachlichen Fertigkeiten. Die Festigung und Erweiterung ihres Zeichenschatzes verschafft den Schülern aber auch Zugang zu einer größeren Zahl von in Schriftzeichen geschriebenen, auch authentischen Texten. Indem sie sich verstärkt Strukturen bewusstmachen, Sprachvergleich und Transfermöglichkeiten soweit möglich nutzen, können die Schüler ihre sprachlichen Mittel und damit ihre kommunikative Kompetenz gezielt erweitern.

Kommunikative Fertigkeiten

Hörverstehen

  • relativ langsam und deutlich gesprochene Äußerungen aus altersgemäßen und im Unterricht behandelten Texten und Themenbereichen global verstehen und die Hauptinformationen entnehmen

  • bei Hör- bzw. Hör-/Sehmaterial: kurze und einfache Texte zu im Unterricht behandelten Themen verstehen

  • sehr einfachen, kurzen Gesprächen zu vorbereiteten Themen folgen können

Mündliche Ausdrucksfähigkeit

  • häufig auftretende Kommunikationssituationen in sprachlich einfacher Form bewältigen und an Gesprächen über Alltagsthemen (z. B. Unterricht, Auslandsaufenthalt, Internet) teilnehmen

  • einfache Sachverhalte, Ereignisse und Erlebnisse zunehmend klar und anschaulich erzählen bzw. darstellen

  • in einfachen zusammenhängenden Sätzen eigene Gedanken und Meinungen zu vertrauten Themen ausdrücken und in sehr einfacher Form auf Argumente bzw. Gesprächspartner eingehen

  • im Bereich des gewählten Moduls: sich in sehr einfacher, aber angemessener Form zu den Themen äußern

Leseverstehen

  • einfache Texte über alltagsrelevante und auch über vertraute, über den Alltag hinausgehende Themen in Pinyin und zunehmend auch in Schriftzeichen (Kurzzeichen) verstehen

  • Lehrbuchtexten und auch didaktisierten authentischen Texten in Schriftzeichen gezielt Informationen entnehmen

  • bekannte Texte in Pinyin und auch in Schriftzeichen in zunehmend angemessenem Tempo phonetisch korrekt und Sinn darstellend vortragen

Schriftliche Ausdrucksfähigkeit

  • sehr einfache zusammenhängende Texte zu vertrauten Themen verfassen (z. B. Dialoge für Rollenspiele)

  • Sachverhalte, Eindrücke, Ereignisse und Erlebnisse in einfacher Form, aber zunehmend klar und anschaulich erzählen bzw. von ihnen berichten (z. B. in einem persönlichen Brief)

  • einfache Fragestellungen zu gegebenen Texten (auch aus dem Bereich des gewählten Moduls) in sehr einfacher, aber angemessener Form bearbeiten

Sprachmittlung

  • in einfachen vertrauten Situationen dolmetschend vermitteln

  • schriftlich wie mündlich die Inhalte von kurzen, einfachen Texten und Äußerungen in die jeweils andere Sprache sinngemäß übertragen, dabei ggf. vereinfachen

Sprachliche Mittel

Schrift

  • Festigung und Ausbau eines grundlegenden Zeichenschatzes, unter Berücksichtigung wichtiger Radikale, in Verbindung mit dem (auch themengebundenen) Wortschatz: ca. 100 weitere Schriftzeichen produktiv und 100 weitere Schriftzeichen rezeptiv

Aussprache und Intonation

  • Aussprache und Intonation sicherer beherrschen

Wortschatz und Idiomatik

  • weitere lexikalische Einheiten entsprechend den behandelten Themen bzw. dem gewählten Modul kennen und in eigenen Äußerungen gebrauchen, darunter weitere Redemittel zum Führen von Gesprächen zu vertrauten Themen

  • einige gängige Formulierungen für bestimmte Sprech- und Schreibanlässe (über den Schriftzeichenschatz hinaus), auch idiomatische Wendungen und Redensarten kennen

Grammatik

  • folgende Strukturen kennen und in eigenen Äußerungen gebrauchen:
    • Syntax: erweiterte Sätze, Satzkorrelate

    • besondere Konstruktionen, z. B.: ba 把-Satz; Steigerung und Vergleich in Sätzen mit Verbalprädikat; Tempus und Aspekt vertieft (Verlaufsform mit zhèng zài 正在… ne 呢)

    • besondere Prädikats- und Verbergänzungen (Resultativverben wie kàndào 看到, komplexe Richtungsergänzungen wie xiăngqĭlái 想起来 )

    • komplexere Attribut- und Adverbialbildungen

    • Zahlensystem im Unterschied zum Deutschen (wàn 万, yì 亿)

Sprachreflexion

  • einige Grundprinzipien der Strukturierung von Wort- und Zeichenschatz erkennen

  • Regeln zur Struktur und Bildung von Schriftzeichen kennen

  • wesentliche Unterschiede zwischen dem Chinesischen und dem Deutschen sowie den bisher erlernten Fremdsprachen erkennen

Chispb 11.2 Umgang mit Texten und Medien

Die Schüler beschäftigen sich zunehmend mit authentischen Texten bzw. Textausschnitten, in erster Linie mit Sachtexten; dabei wenden sie die bereits eingeübten Techniken der Texterschließung und Texterstellung zunehmend selbständig an. Sie erhalten einen erweiterten Einblick in den chinesischen Sprach- und Kulturraum sowie einen ersten Einblick in die chinesische Literatur. Dabei werden literarische Texte themenbezogen ausgewählt; eine systematische Behandlung von Literatur ist nicht vorgesehen. Detaillierte Textarbeit kann nur im Rahmen des relativ beschränkten Wort- und Zeichenschatzes geleistet werden.

Bei der eigenen Textproduktion stehen weiterhin praxisnahe Rede- und Schreibanlässe im Vordergrund, welche die Schüler auf die Anwendung der chinesischen Sprache auch im außerschulischen Bereich vorbereiten. Durch den kreativen Umgang mit Texten erhalten sich die Lernenden ihre Freude am Umgang mit dem Chinesischen. Die Sachthemen und die Inhalte literarischer Texte berücksichtigen die Interessenlagen der Jugendlichen.

Texterschließung

Textarten: allmählich komplexere, klar strukturierte Hör-, Hör-/Seh- und Lesetexte verschiedener Art; zunehmend auch authentische, ggf. didaktisierte und/oder annotierte, nicht-fiktionale und fiktionale Texte einfachen Schwierigkeitsgrades; kurze Sachtexte/Artikel aus Printmedien und dem Internet zu den behandelten Themen; kürzere, für das moderne Hochchinesisch bearbeitete literarische Texte (z. B. Tang-Gedichte und Gedichte aus dem 20. Jahrhundert, einzelne Sprüche aus philosophischen Schriften wie dem Lùnyŭ und dem Dàodéjīng)

  • Verständnis sichernde Fragen zu einfachen Texten beantworten und stellen

  • einfachen Gebrauchstexten wesentliche Informationen entnehmen

  • Lese- und Hörverstehensstrategien zunehmend sicher anwenden, z. B. Erkennen von Schlüsselbegriffen

  • einfache, ggf. didaktisierte authentische Texte mithilfe eines Anmerkungsapparats bzw. eines zweisprachigen Wörterbuchs und von Transfertechniken selbständig erschließen und ins Deutsche übersetzen

  • weitere Fachbegriffe zur Textarbeit und Interpretation kennen und anwenden

Texterstellung

Erstellen sehr einfacher Texte zu bekannten Themen; auch unter Verwendung der lateinischen Umschrift Pinyin, soweit für die Texterstellung notwendige Schriftzeichen noch nicht produktiv beherrscht werden müssen

Textarten: Inhaltsangaben und Bearbeitungen von einfachen Fragestellungen zu gegebenen Texten, kurze persönliche Stellungnahmen; im Rahmen kreativen Schreibens sehr einfache Texte (z. B. kurze Dialoge)

  • Texte oder Textteile in weiterhin sehr einfacher Form zusammenfassen

  • die eigene Meinung zu Textinhalten und vertrauten Sachverhalten in sehr einfacher Form, aber zusammenhängend formulieren

  • in zunehmend kreativer Weise schriftlich wie mündlich auf Textvorgaben verschiedener Art reagieren: sehr einfache Texte unterschiedlicher Art gestalten oder umgestalten

Chispb 11.3 Interkulturelles Lernen und Landeskunde

Die Schüler erwerben – möglichst in Verbindung mit der sprachlichen Arbeit und auch anhand zunehmend authentischer Materialien bzw. Texte – tiefere Einblicke in wesentliche historische, politisch-gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen, die das Gesicht des heutigen China geprägt haben. Dabei soll zunächst der Einfluss der neueren Geschichte auf die Strukturen des modernen China und seine aktuellen Probleme untersucht werden. Die Beschäftigung mit China ermöglicht den Schülern sowohl eine vorurteilsfreie Erweiterung des Blicks auf die Besonderheiten gesellschaftlicher und kultureller Zustände in einer anderen Weltregion als auch auf aktuelle weltpolitische Fragestellungen.

  • Geschichte Chinas seit 1840 anhand ausgewählter Abschnitte

  • aktuelle Fragen und Entwicklungen Chinas (z. B. Umweltprobleme, Migrationsbewegungen, Minderheiten, VR China im Vergleich zu Taiwan)

  • interkulturelle Unterschiede im Alltag; Verhaltenskonventionen; Situationen aus dem alltäglichen Lebensraum der Schüler

  • Chinas Gesellschaft in Tradition und Moderne

  • Grundstrukturen des politischen Systems und ggf. Beschäftigung mit aktuellen politischen Ereignissen

Chispb 11.4 Lernstrategien und Methoden selbständigen Arbeitens

Die Schüler lernen den sinnvollen und arbeitsökonomischen Umgang mit unterschiedlichen Medien und Nachschlagewerken und festigen dabei ihr Repertoire an Lernstrategien und Arbeitstechniken.

  • Nachschlagewerke und weitere Hilfsmittel zum individuellen Lernen und Wiederholen nutzen

    Strategien und Techniken der Umschreibung und Texterschließung anwenden und ausbauen

  • mit dem zweisprachigen Wörterbuch zielgerichtet umgehen

  • Lern- und Arbeitsprozesse – auch in der Teamarbeit – selbständig organisieren

  • überwiegend noch immer deutsch- und englischsprachige Quellen zur Informationsbeschaffung nutzen und auswerten

  • Notizen anfertigen, z. B. zur Vorbereitung von Rollenspielen

  • Ergebnisse von Einzel- oder Gruppenarbeit themen- und adressatengerecht präsentieren, unter Zuhilfenahme der deutschen Sprache

  • ggf. Medien zur Kommunikation mit Muttersprachlern gezielt und differenziert einsetzen

  • ggf. Projekte vorbereiten, durchführen und nachbereiten

Chispb 11.5 Vertiefende Unterrichtsmodule in den Jahrgangsstufen 11 und 12

In den Ausbildungsabschnitten 11.2 und 12.1 beschäftigen sich die Schüler im Rahmen eines Unterrichtsmoduls jeweils intensiv mit einem Themenkomplex. Das Modul in einem zeitlichen Umfang von insgesamt nicht weniger als 10 Unterrichtsstunden ermöglicht praxisorientiertes und fächerübergreifendes Arbeiten, ggf. unter Einbeziehung außerschulischer Kontakte. Je nach Wahl des Unterrichtsmoduls trainieren die Schüler dabei neben ihren kommunikativen Fertigkeiten auch methodische Kompetenzen wie z. B. Projektarbeit im Team, Präsentationstechniken und den Umgang mit Medien. Unter Einbeziehung von Vorwissen aus früheren Jahrgangsstufen und anderen Fächern gewinnen sie rasch einen vertieften Einblick in ausgewählte Aspekte des chinesischen Sprachraums und bereiten sich dabei auch auf Studium und Beruf vor. Die interkulturelle Perspektive fördert zugleich die Reflexion über das eigene Lebensumfeld im Vergleich zu China.

Für die Auswahl des Moduls bieten sich als Bereiche an:

  • Gesellschaft, Politik und Zeitgeschichte
  • Literatur
  • Wirtschaft
  • Film
  • Geographie
  • Musik
  • Tourismus
  • Kunst und Architektur
  • Geschichte
  • Naturwissenschaften

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