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Umgang mit der Bibel

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1. Hermeneutische Vorbemerkungen

Für viele Schülerinnen und Schüler erscheinen biblische Geschichten mit fortschreitendem Alter als fremd und für das eigene Leben irrelevant. Dies stellt für einen Religionsunterricht, der sich dem „sola scriptura“ verpflichtet weiß, eine Herausforderung dar. Entsprechend sollte bereits von der Unterstufe an eine angemessene Hermeneutik angebahnt werden. Schon Fünftklässler fragen bei den alttestamentlichen Schöpfungsgeschichten oder Sechstklässler bei den Wundererzählungen, ob diese Geschichten „wahr“ sind und meinen damit, „ob das damals wirklich so war“. Kann der Unterrichtende hier keine schlüssige Position markieren und ein angemessenes Wahrheitsverständnis vermitteln (und zwar schon in der Unterstufe!), werden biblische Geschichten spätestens mit der Pubertät zusammen mit dem „kleinen Wassermann“ und „Tabaluga“ bei den abgelegten Kindersachen landen.

Im Grunde geht es um nichts Geringeres, als mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam die geistesgeschichtliche Entwicklung des Abendlandes mindestens vom Mittelalter bis in die Gegenwart nachzuvollziehen. Das überwiegend wörtliche Verstehen des Textes, wie es im Mittelalter weit verbreitet war, entspricht im Wesentlichen der Rezeption im Kindergarten- und Grundschulalter: Die Welt ist voller Geister und Dämonen, und natürlich kann Jesus auf dem Wasser gehen, genau so wie die kleine Hexe auf dem Besen fliegen kann und der Weihnachtsmann die Geschenke bringt. Dann kommt – hoffentlich – die Aufklärung, die historische Kritik; das könnte in etwa der 5. oder 6. Jahrgangsstufe, spätestens der Pubertät entsprechen: Alles wird in Frage gestellt, nichts gilt mehr „einfach so“ oder „weil es in der Bibel steht“. Das dispensiert von der intellektuellen Zumutung eines wörtlichen Textverständnisses, es vermittelt die Freiheit: „Ja, ich darf denken und gleichzeitig religiös sein.“ Das Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern den Weg zur Bibel zu eröffnen durch die Entlastung von dem Zwang, alles wörtlich zu nehmen. Ihnen diesen Schritt vorzuenthalten, wäre das Gleiche wie in der Sexualaufklärung weiter von Storch und Biene zu erzählen.

Wer durch das Feuer der Kritik und der Entmythologisierung gegangen ist, kann dann allerdings erfahren, dass der kritisch sezierte biblische Text spirituell nicht satt macht. Diese Erfahrung ist unersetzlich und darf nicht übersprungen werden. Jetzt erst ist der Boden bereitet für eine „existentiale Hermeneutik“ (Halbfas), jetzt kann „das erfahrungslose, seelenlose und schriftgelehrte Reden von Gott ein Ende haben“ (Drewermann). Auch wer Symboldidaktik oder tiefenpsychologische Exegese ablehnt, muss jedenfalls eine Hermeneutik entwickeln und vermitteln, die die Existenz des Menschen berührt, die lebensrelevant ist. Die Bibel muss eben ge-deutet werden, um etwas zu be-deuten. Es geht um die Unterscheidung zwischen „Logos“ und „Mythos“, um den Unterschied zwischen historischer und symbolischer Wahrheit, zwischen Photographie und Portraitmalerei. Wer blaue Pferde für irrelevant hält, weil es die „in echt“ nicht gibt, wird auch die Wahrheit biblischer Geschichten nicht erkennen. „Wahr“ sind diese Geschichten dann nicht, weil sie damals vor zweitausend oder mehr Jahren genau so geschehen sind, wie sie berichtet werden; wahr sind sie, weil sie heute geschehen, weil sie ein inneres Geschehen widerspiegeln, weil sie symbolisch Kunde geben von der Tiefe in unserem Leben, von dem, was uns zu allen Zeiten angeht (Tillich). Es geht also nicht darum, ob es z. B. Abraham, Rahel, Petrus oder Maria früher einmal gegeben hat und was sie vor Jahrhunderten getan haben; es geht vielmehr darum, wo es diese Gestalten heute in uns und neben uns gibt. Literaturhinweise und Arbeitsmaterialien zum Bereich „Tiefenpsychologie und Exegese“, z. B. auch entsprechende Erschließungsfragen mit Textbeispielen, finden sich z. B. unter http://www.rpi-virtuell.net/workspace/index2.asp?folderid=129861.

Insgesamt ist bei dieser Thematik eine enge Zusammenarbeit mit Deutsch möglich und sinnvoll. Der Deutschunterricht vermittelt seinem Selbstverständnis nach im Zusammenhang mit literarischer Bildung „Grundmuster menschlicher Erfahrungen sowie Zugänge zu verschiedenen Weltsichten“ (Fachprofil Deutsch). Die Anbahnung und Entwicklung eines mehrdimensionalen Sprachverständnisses ist kein einzelnes Lehrplanthema, sondern ein roter Faden, der sich durch alle Jahrgangsstufen zieht. Diese gemeinsamen Anliegen können und sollen für Kooperationen nutzbar gemacht werden.

2. Wie ist dieser hermeneutische Prozess im Lehrplan verortet?

Bereits in Ev 5.3 ist der angemessene Zugang zur bzw. der angemessene Umgang mit der Bibel zentrales Thema. Diese Grundlage soll in Ev 5.4 (alttestamentliche Königsgeschichten) und Ev 5.5 (Exodustradition und Schöpferglauben) vertieft werden. Die Schülerinnen und Schüler bringen heute bereits eine Fülle an naturwissenschaftlichem Wissen mit, was im neuen Lehrplan durch die Aufwertung der Naturwissenschaften im Fach „Natur und Technik“ noch verstärkt wird. Deshalb muss schon in der Unterstufe deutlich werden, dass z. B. Schöpferglaube nicht im kreationistischen Sinn eine mit der naturwissenschaftlichen konkurrierende Wirklichkeitsbeschreibung darstellt, sondern eine Wahrheit auf einer anderen Ebene. Dem Fortschritt von Erkenntnis und Bewusstsein gemäß wird diese Thematik in Ev 8.1 zu vertiefen sein.

Entsprechendes gilt für die Beschäftigung mit der Jesusüberlieferung. Die Heilungswunder in Ev 6.2 und erst recht die theologische Zuspitzung in der Botschaft von Kreuz und Auferstehung in Ev 9.2 bietet Gelegenheit, in der symbolisch-existentialen Interpretation die Tiefendimension und damit die gegenwärtige Relevanz dieser Traditionen zu erschließen.

Ev 10.1 schließlich bietet die Möglichkeit, anhand einer biblischen Gesamttradition unterschiedliche Zugänge zu erproben.

3. Methodische Möglichkeiten

Grundvoraussetzung für den Einsatz der Bibel im Religionsunterricht ist die Vertrautheit im Umgang mit diesem Buch. Dies ist in Ev 5.3 einzuüben und bei allen weiteren Begegnungen mit biblischen Texten zu vertiefen (Grundwissen!). Dafür wird es meist zweckmäßig sein, die Texte den Schülerinnen und Schülern nicht photokopiert vorzulegen, sondern stets mit der ganzen Bibel zu arbeiten, sofern nicht einzelne Stellen „handwerklich“ bearbeitet werden sollen.

Zu sonstigen methodischen Möglichkeiten (wie z. B. szenisches oder texttheatralisches Gestalten, Fortschreiben von Texten, Textschwärzen bzw. -kürzen etc.) vergleiche die Anregungen zu den Methoden im Religionsunterricht.

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