6 Russisch-Orthodoxe-Religionslehre (2)

Ausgehend von den in der vorherigen Jahrgangsstufe erworbenen Grundkenntnissen des orthodoxen Glaubens nehmen die Kinder allmählich die Verwurzelung der Kirche in der lebendigen Geschichte wahr. In der Beschäftigung mit der Karwoche, Ostern und dem Pfingstfest vergegenwärtigen die Schüler das Heilswirken Christi. Am Beispiel der Frühkirche und der heutigen autokephalen Kirchen erkennen sie die ermutigende Kraft und Schönheit der Orthodoxie.

In der Jahrgangsstufe 6 erwerben die Schüler folgendes Grundwissen:
  • fähig sein, über bestimmte Herren- und Gottesmutterfeste Auskunft zu geben
  • den Ablauf der Passionsgeschichte nacherzählen können
  • an biblischen und geschichtlichen Beispielen die Nähe Gottes zu uns erkennen
  • das Pfingstereignis als Geburt der Kirche begreifen, Grundzüge der Kirchengeschichte bis zur konstantinischen Wende darstellen können
  • die Einheit der Orthodoxen Kirche in der Vielfalt der autokephalen Kirchen begreifen

ROrth 6.1 Die Botschaft Jesu Christi [→ K 6.4, Ev 6.2]

Anhand neutestamentlicher Überlieferungen von Jesus Christus erfahren die Schüler die Bedeutung Seiner Person und Seines Wirkens für Glauben und Leben der Kirche. Zudem werden sie mit Gestaltung und Sinn bestimmter Herren- und Gottesmutterfeste vertraut, um die Bedeutung des Lebens Christi und der Gottesmutter für die eigene Lebensgestaltung zu begreifen.

  • die Reich-Gottes-Verkündigung (im Evangelium - „Gesegnet sei das Reich“ in der Eröffnung der Liturgie), Gleichnisse und Heilungswunder (in Auswahl)
  • Reaktionen auf die Botschaft Christi (damals und heute)
  • Vergegenwärtigung der Botschaft Christi in den Herren- und Gottesmutterfesten: Geburt der Gottesmutter, Begegnung des Herrn, Theophanie, Verkündigung

ROrth 6.2 Das lebensspendende Kreuz und die Auferstehung Christi

Jedes Jahr erleben die Kinder die Gottesdienste der Karwoche, der Osternacht und des Blumentriodions (des Osterkreises). In der Beschäftigung mit den „12 Evangelien“ vom Karfreitag und mit liturgischen Texten des Blumentriodions vertiefen sie nun ihr Verständnis der Erlösung durch das Kreuz als Zeichen der Hoffnung und der Erneuerung des Menschen. Dabei nehmen die Schüler wahr, dass jedes Mitglied der Kirche sowohl den Pfad des Kreuzes als auch die Herrlichkeit des Sieges über den Tod mit Christus teilt.

  • die letzten Tage Jesu Christi, Leiden und Sterben Jesu Christi (Karwoche)
  • Ostergeschichten und Himmelfahrt (Kanon, Tropar und Kontakion aus dem Blumentriodion), der Glaube an die Auferstehung des Leibes
  • Erfahrungen von Leid, Trauer und Hoffnung im Leben der Kinder

ROrth 6.3 Geschichte Gottes mit Seinem Volk

In Weiterführung von Lernziel 5.3 Das Alte Testament lernen die Schüler weitere Ereignisse und Gestalten des Alten Testaments kennen. In der Bibel begegnen ihnen Menschen, die in kritische Lebenssituationen geraten und dabei die Nähe Gottes erfahren. Sie lernen verstehen, dass die Bibel in der lebendigen Tradition der Kirche nicht an Aktualität verliert, und Christen in den Glaubenserfahrungen und Gebeten der alttestamentlichen Heiligen immer wieder neue Hilfe für ihr eigenes Leben finden.

  • im Überblick: Exodus bis zur Richterzeit, Könige in Israel [→ K 6.3]
  • Lebensweg Davids; seine Demut, Glaube, Sünde und Umkehr [→ Ev 5.4]
  • Umgang mit schwierigen Situationen im eigenen Leben

ROrth 6.4 Ursprung der Kirche im heidnischen Römerreich

Die Schüler lernen die Kirche als „Kirche der Märtyrer“ kennen, deren Zeugnis von Gottes Liebe zur raschen Ausbreitung der Botschaft Christi führt. Hierin wird ihnen auch das Handeln des Heiligen Geistes deutlich, wie es von Lukas in der Apostelgeschichte dargestellt wird. Die Ablösung der frühen Christen sowohl vom Heidentum als auch von der Synagoge zeigt, dass zur christlichen Lebensgestaltung auch Anstrengung, Entschiedenheit und Bezeugung der empfangenen Einsicht oder Offenbarung gehören.

  • Pfingstereignis (Apg 2, 1-13) – Geburt der Kirche; neue Lebenspraxis aus der Kraft des Heiligen Geistes, Leitfiguren wie Paulus, Stephanus
  • das Judentum nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70, Ablösung der Kirche von der Synagoge
  • Verfolgung der Kirche – Nero, Decius, Diokletian; Christsein im römischen Weltreich bis zur konstantinischen Wende; Kennenlernen und Überdenken von Impulsen aus der Frühzeit der Kirche [→ K 6.5; L2 6.3; G 6.5]

ROrth 6.5 Die orthodoxe Ökumene

Aus dem Bekenntnis von Nikaia-Konstantinopel (vgl. 5.2) kennen die Kinder die Formulierung des Glaubens an „die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“. Die Gemeinschaft der autokephalen (sich selbständig verwaltenden) Orthodoxen Ortskirchen gründet in der Einheit des Glaubens sowie in der gemeinsamen liturgischen Tradition und Kirchenordnung. Die Begegnung mit der Geschichte und Tradition Orthodoxer Kirchen anderer Kulturen bereichert das Leben der Schüler und öffnet ihnen den Blick für die weltweite Kirche, die in ihrer Vielfalt – eine ist und zu der sie gehören.

  • Überblick über die Geschichte und Gegenwart der autokephalen Orthodoxen Kirchen: wichtige Heilige, Kirchensprache, jeweiliges heutiges Oberhaupt usw.
  • aktuelle Probleme der orthodoxen Ökumene (der liturgische Kalender, Zuständigkeit für die Diaspora)