11/12 Archäologie (2)

Das Fach Archäologie in den Jahrgangsstufen 11 und 12 ist entsprechend den Zielsetzungen der Oberstufe wissenschaftspropädeutisch angelegt. Die Schüler erweitern und vertiefen ihre in der Unter- und Mittelstufe erworbenen historischen Kenntnisse und methodischen Fertigkeiten und wenden ihre Kompetenzen nun auch in neuen Zusammenhängen an. Dadurch praktizieren und üben sie vernetztes Denken.

Der Fachlehrplan Archäologie ist modular aufgebaut. Das vorgeschaltete Methodik-Modul weist auf Arbeitsweisen und Forschungsrichtungen der Archäologie sowie der Denkmalpflege hin und ist Grundlage der übrigen Module (1-14). Diese können von der Lehrkraft frei ausgewählt und kombiniert werden, wobei auch jahrgangsstufenübergreifend unterrichtet werden kann. Es können Kurse für die Dauer eines oder zweier Schuljahre eingerichtet werden. Bei der Einrichtung einjähriger Kurse wird empfohlen, vornehmlich die Module 5, 6, 12 und 13 zu behandeln.

Sie nehmen durch die synchrone Erschließung von Inhalten (als zeitliche Querschnitte) im Rahmen einzelner fachbezogener Module sowie durch diachrone Bearbeitung ausgewählter Themen (als zeitliche Längsschnitte) Ein­blick in die ganze Bandbreite archäologischer Forschung. Anhand von exemplarisch bereitgestelltem Quel­len­material lernen die Schüler analytische und interpretierende Arbeitstechniken kennen und können fachspezi­fische Methoden im Ansatz anwenden. Dabei entwickeln sie auch Aufgeschlossenheit und Verständnis für die historischen Inhalte mit ihren pädagogischen und gesellschaftlich-politischen Verflechtungen. Durch die Begegnung mit herausragenden Kunstwerken, sowie in der Begegnung mit dinglichen Dokumenten von Menschen vergangener Epochen verstehen es die Schüler, Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt herzustellen und erfahren so Geschichte als anschaulich und konkret begreifbar.

Bei Museumsbesuchen, Fahrten und Exkursionen konkretisieren und vertiefen die Schüler im Unterricht erarbeitetes Wissen und reflektieren beobachtend und urteilend die Präsentation archäologischer Funde und Befunde im öffentlichen Raum. Aufgrund von Kontakten mit staatlichen und kommunalen Behörden der Denkmalpflege unterschiedlicher Ebenen verstehen sie auch die fachliche und gesellschaftliche Bedeutung der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes. Bei der aktiven Teilnahme an einer wissenschaftlichen Lehrgrabung können sie nicht nur ihre bereits erworbenen Kenntnisse vertiefen, sondern auch das Gelernte üben und anwenden. Die Ergebnisse dieser Arbeiten präsentieren sie in geeigneter Form.

Die Schüler stellen nach Möglichkeit immer wieder Bezüge zur Landes- und Regional­geschichte her, um in Vertiefung und Reflexion ihres Geschichtsbewusstseins die Identifikation mit dem Fach, aber auch mit ihrer bayerischen Heimat zu stärken.

Die Wahl der Module richtet sich nach den Interessen der Schüler, den von der Lehrkraft gewählten Schwer­punkten sowie den ständigen oder aktuellen Möglichkeiten vor Ort. In jedem der fachlichen Module werden ein bis drei zentrale Themen vorgegeben; weitere Themenvorschläge betreffen mögliche Erweiterungen und Vertiefungen. Einzelne Themen aus Modul 14 können auch integrativ in anderen Modulen behandelt werden, deren Wochenstundenzahl dann entsprechend zu erweitern ist.

Ar 11/12 Methodik der Archäologie und des Denkmalschutzes

Die Schüler lernen grundlegende Methoden der Archäologie und der Denkmalpflege kennen und beurteilen deren Möglichkeiten und Grenzen. Dabei begegnen sie der interdisziplinären Anwendung natur-, sozial- und geisteswissenschaftlicher Methoden und erhalten einen Überblick über die Themen, Methoden und For­schungs­ansätze. Diese Grundlagen des Faches (Basismatrix) sollen möglichst in jedem fachlichen Modul im Zusammen­hang mit konkre­ten Beispielen behandelt werden.

  • das archäologische Dilemma: wissenschaftliche Grabung oder Denkmalschutz?
  • die drei Prinzipien der Archäologie: Stratifizierung, Geschlossener Fund/Befund, Große Zahl
  • Stilanalyse, Typologie und Kopienkritik
  • Methoden zur Fund- und Befundlokalisierung (Prospektionsmethoden)
  • Methoden zur Datierung von Funden und Befunden
  • naturwissenschaftliche Methoden zur Materialuntersuchung
  • Methoden zur Konservierung und Restaurierung von Funden und Befunden; Rekonstruktion, Wiederaufbau, Nachbau (real, virtuell)
  • Denkmalschutz und Denkmalpflege
  • jüngere archäologische Disziplinen und benachbarte Wissenschaften

Ar 11/12.1 Steinzeit und Bronzezeit – Modul 1 (ca. 12 Std.)

Die Schüler verstehen den Weg des Menschen aus der Natur zur Kultur. Sie erkennen, dass sich in diesem Prozess die Grundlagen für das Wesen des Menschseins herausgebildet haben. Mit der Entwicklung von Werk­zeug verringert sich die Abhängigkeit des Menschen von der Natur. Die Schüler begreifen die Entfaltung von Sprache, Religion und Kunst in der Altsteinzeit, die Ausbildung bäuerlichen Lebens in der Jungsteinzeit und die Verwendung von Metallen in der Bronzezeit als kulturelle und soziale Umwälzungen.

Zentrale Themen:

  • die Evolution des Menschen im Spiegel der Archäologie
  • technische Innovation: Werkzeug, Waffen und Schmuck

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • Religion und Kunst: Höhlenbilder und Skulpturen aus der jüngeren Altsteinzeit
  • Neolithische Revolution: Sesshaftigkeit und bäuerliche Lebensweise
  • Megalithbauten (z. B. Stonehenge) und Kreisgrabenanlagen der Jungsteinzeit
  • Höhensiedlungen und Pfahlbausiedlungen
  • „Ötzi“ – die Gletschermumie vom Hauslabjoch: Lebensweise und Ausrüstung, Bergung, Konservierung und Präsentation
  • Metallverarbeitung und Handel, soziale Differenzierung und Herrschaft in der Bronzezeit

Ar 11/12.2 Der Alte Orient: Mesopotamien und Kleinasien – Modul 2 (ca. 12 Std.)

Die Schüler lernen den Vorderen Orient als ethnisch und kulturell vielfältige Wiege der Zivilisation kennen: Sie gewinnen Einsicht in die Abläufe, bei denen sich Ackerbau und Viehzucht und in einem weiteren Prozess aus Städten frühe Staaten entwickeln konnten. Die Schüler erkennen die zentrale Organisation der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, monumentale Architektur, Schriftgebrauch und Wissenschaft als Merkmale altorien­talischer Hochkulturen, deren Ausstrahlung auf vielfältige Weise die europäische Kultur beeinflusste.

Zentrale Themen:

  • vom bäuerlichen Leben zur städtischen Zivilisation
  • Staat, Wirtschaft und Kult in Babylonien

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • die Sumerer: zentrale Tempelwirtschaft und die Erfindung der Keilschrift
  • vom Nomadentum zur Reichsbildung: Amoriter und Aramäer
  • das vergessene und wiederentdeckte Volk der Hethiter
  • neuassyrische Paläste
  • Phryger, Lyder und Phöniker – Brücke zwischen Orient und Okzident
  • das Großreich der Perser

Ar 11/12.3 Das Alte Ägypten – Modul 3 (ca. 12 Std.)

Indem die Schüler sich mit den Statuen und den Reliefs der alten Ägypter auseinandersetzen, begreifen sie, dass ägyptische „Kunst“-Produktion der Herrscherverehrung bzw. dem Totenkult diente, die ägyptische Kunst aber auch in vielfacher Hinsicht auf andere Kulturen gewirkt hat. Durch die Beschäftigung mit der Ausstattung und Ausschmückung von Gräbern erhalten sie differenzierte Einblicke in die altägyptischen Jenseitsvorstellungen, können aber auch viele Aspekte des täglichen Lebens erschließen.

Zentrale Themen:

  • die Rolle des Pharao als Mittler zwischen Göttern und Menschen und seine Darstellungsformen
  • Formen der Kunst, besonders Statuen und Porträts
  • Totenkult und Grabgestaltung: Pyramiden und andere Gräber

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • Entwicklung der Kultur des Alten Ägypten und seine religiösen Grundvorstellungen (Götterwelt, Jenseits­vor­stellungen)
  • Architektur im Alten Ägypten (Tempel, Gräber, Wohnhäuser)
  • Schrift und Literatur (Textgattungen; Weisheitslehren; Rolle des Schreibers als höchster Beamter mit besonderen moralischen Anforderungen; Überlieferung und Konservierung)
  • Gesellschafts- und Alltagsleben, die besondere Rolle und Bedeutung der Frau
  • die religiösen Besonderheiten der Amarna-Zeit und ihr Niederschlag in der Kunst
  • Tutanchamun: die Entdeckung seines Grabes und die Bedeutung der Funde
  • Spätzeit: Ptolemäer, Römer, Kopten; christliche Einflüsse auf die Kunst


Ar 11/12.4 Die kretische und die mykenische Kultur – Modul 4 (ca. 8 Std.)

Die Schüler erkennen die Bedeutung der geographischen Lage Kretas für den wirtschaftlich-kulturellen Auf­schwung dieser Insel-Macht und ihre Ausstrahlung auf die festländische mykenische Gesellschaft. Anhand der Paläste oder Festungen, der Wandmalereien, der Kleinkunst und der Keramik gewinnen sie einerseits Einblicke in die Lebensverhältnisse beider Zentren, können andererseits aber auch die Unterschiede und gegenseitige Beeinflussung herausarbeiten.

Zentrales Thema:

  • die Entwicklung der friedlich wirkenden Palast-Kultur auf Kreta in Gegenüberstellung mit den kriegerisch wirkenden Palastanlagen von Mykene und Tiryns (jeweils Ausstattung und Funktion)

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • Mythen um Kreta in der darstellenden und bildenden Kunst: Europa und der Stier, Minos und Pasiphae, Minotaurus im Labyrinth, Theseus und Ariadne
  • die minoischen Malereien von Kreta und Thera/Santorin
  • die gegenseitige Beeinflussung bei Malerei und Schrift (Linear B)
  • die Bedeutung der Archäologen Sir Arthur Evans und Heinrich Schliemann

Ar 11/12.5 Griechische Antike – Modul 5 (ca. 16 Std.)

Die Schüler lernen den Begriff „Klassische Archäologie“ kennen und machen sich mit deren Inhalten, der griechischen und römischen Archäologie sowie denjenigen ihrer Nachbarwissenschaften vertraut.

Die verschiedenen Epochen der griechischen Kultur erarbeiten sie sich, indem sie die Plastik männlicher Figuren von der geometrischen Zeit bis zum Hellenismus betrachten und ausdeuten.

Wichtige Schöpfungen der Griechen auf dem Gebiet der Architektur und des Bauschmucks, des Grabkults und der Vasenmalerei vermitteln den Schülern eine profunde Vorstellung von der Bedeutung griechischer Kunst, gewähren ihnen aber auch Einblicke in die politische Bedeutung der Werke, in das Alltags­leben der Griechen und in deren religiöse Vorstellungen.

Zentrale Themen:

  • griechische Plastik von der geometrischen bis zur hellenistischen Zeit
  • griechische Tempel: Architektur (z. B. die drei „Ordnungen“, Skulpturen- und Reliefschmuck, Farbig­keit) sowie ihre gesellschaftliche und kultische Funktion

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • die griechische Stadt (z. B. Athen, Milet, Pergamon)
  • griechische Heiligtümer (z. B. Delphi, Olympia)
  • Architektur und soziale Funktion von Theaterbauten, z. B. von Athen und Epidauros
  • die Gestaltung der Gräber sowie ihre gesellschaftliche und religiöse Bedeutung; Grabschmuck wie Großgefäße, Grabstatuen und Grabreliefs
  • griechische Vasen: Herstellungsweise, Formen und Funktionen; Bedeutung der Vasenbilder (Einblick in das tägliche Leben und in die Mythologie)
  • Troia: Grabungsgeschichte seit Heinrich Schliemann bis zum „neuen Streit um Troia“

Ar 11/12.6 Römische Antike – Modul 6 (ca. 16 Std.)

Die Schüler erwerben vertiefte Einblicke in die für das Werden Europas entscheidende Kultur der Römer. Sie setzen sich mit deren städtebaulichen Leistungen auseinander, wobei ihnen die öffentlichen Zweckbauten ebenso wie die Privathäuser fundierte Rückschlüsse auf gesellschaftspolitische Aspekte der Römer und ihr Alltagsleben ermöglichen. Vor diesem Hintergrund verstehen die Schüler auch die mannigfaltige Rezeption und die unter­schied­­liche Verwendung der griechischen Kunst durch die Römer.

Zentrale Themen:

  • Stadtentwicklung und Stadtstruktur (am Beispiel von Rom und Pompeji): öffentliche Plätze und Gebäu­de, Heiligtümer, Theater- und Sportstätten, Wasserversorgung, Thermen und Geschäfts- und Privat­häuser; dabei Einblick in das alltägliche Leben der Römer
  • private und öffentliche Kunst von der späten Republik bis zur Spätantike: Statuen, Porträts, Reliefs

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • Staatskunst der Kaiserzeit: Architektur (Kaiserforen, Triumphbogen, Ehrensäulen) und Skulptur (z. B. Ara Pacis, Kaiserstatuen und -porträts)
  • Ausschmückung der Häuser: Wandmalerei (die sog. vier Stile), Mosaike, Statuen- und Reliefschmuck
  • Grabanlagen und ihr Reliefschmuck; Einblicke in gesellschaftspolitische und religiöse Vorstellungen der Römer
  • Pompeji und Herculaneum als Beispiele für archäologische Besonderheiten der Forschung und Konservierung (Gipsabgüsse/„Calchi“, Karbonisierung organischer Stoffe)
  • Zeugnisse römischen Lebens in archäologischen Funden: Haushaltsgerät, militärisches Gerät, Gegen­stände des täglichen Lebens (z. B. Schlüssel, Kämme, Spielsteine), Gladiatoren-Ausrüstung
  • römische Inschriften auf öffentlichen Gebäuden und Gräbern
  • römische Münzen als Medium der Propaganda

Ar 11/12.7 Die Etrusker – Modul 7 (ca. 8 Std.)

Die Schülern erschließen sich die Kultur der Etrusker vor allem durch die Beschäftigung mit den Gräbern und dem Toten­kult, da sie auf diese Weise zahlreiche Rückschlüsse sowohl auf das Leben und Denken der Etrusker als auch auf ihre Jenseitsvorstellungen ziehen können. In der Auseinandersetzung mit den Skulpturen und der Malerei erkennen sie mithilfe von Vergleichsobjekten die Einflüsse orientalischer und griechischer Künstler auf die Etrusker, gleichzeitig aber auch etruskisches Fortwirken auf die römische Kultur.

Zentrales Thema:

  • Bestattungsformen der Villanova-Zeit sowie Grab- und Totenkult der etruskischen Blütezeit; die Nekro­po­len von Tarquinia und Cerveteri

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • Probleme von Herkunft, Sprache und Schrift der Etrusker
  • Architektur, besonders Tempel und ihr Bauschmuck aus Ton
  • Bronzekunst der Etrusker (Großplastik, Statuetten, Gefäße, Alltagsgegenstände)

Ar 11/12.8 Die Kelten – Modul 8 (ca. 12 Std.)

In Auseinandersetzung mit der Darstellung der Gallier in der römischen Literatur und der populären Verklärung eines mystischen Druidenkults erarbeiten die Schüler ein archäologisch fundiertes Bild der Kelten. Dabei er­ken­nen sie, dass dieses Volk sehr innovativ war: Das Wissen um Eisenverarbeitung, kunstvolles Handwerk, Geld­wirt­schaft und städtische Zivilisation der Kelten vermitteln ihnen Verständnis für diese hoch entwickelte Kultur mit ihrem weit reichenden Einfluss.

Zentrale Themen:

  • keltische Siedlungsformen: Fürstensitze, Höhensiedlungen, Viereckschanzen und Oppida
  • Kunst und Religion der Kelten

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • der Keltenfürst oder Priesterkönig von Hochdorf
  • Wirtschaft und (Fern-)Handel
  • Expansion: die Wanderungen der Kelten
  • Assimilation: die Kelten im Römischen Reich
  • keltisches Erbe in Europa

Ar 11/12.9 Die Römer in Bayern: Provinzialrömische Archäologie – Modul 9 (ca. 16 Std.)

Die Schüler lernen Rätien und Norikum exemplarisch als Provinzen der klassischen römischen Welt kennen. Sie verstehen die Romanisierung als erfolgreiche Integration verschiedener Volksgruppen im Rahmen der Pax Ro­ma­­na und diskutieren dies als ein Modell für ähnliche historische und gegenwärtige Prozesse. Auf breiter histo­ri­scher Basis erwerben die Schüler Verständnis für das antike Erbe Bayerns.

Zentrale Themen:

  • Rätien und Norikum als Militärprovinzen (Lager-, Brücken- und Straßenbau, Organisationsstruktur)
  • der Obergermanisch-Rätische Limes
  • Bauern, Handwerker und Händler: ziviles Leben in Rätien und Norikum

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • römische Inschriften und Münzen aus Rätien und Norikum
  • Religion in der Provinz: keltische, römische und orientalische Kulte
  • Romanisierung – Kontinuität und Wandel im zivilen und militärischen Leben (Auswertung von Stein­denk­mälern, Gefäßen und Alltagsgegenständen aus verschiedenen Provinzen)
  • Rückzug und spätantike Nachblüte im 3. und 4. Jahrhundert
  • Ende der römischen Herrschaft in Rätien und Norikum – romanische Kontinuität
  • eine Römerstadt von der Gründung bis ins Mittelalter (z. B. Augsburg, Regensburg, Passau)

Ar 11/12.10 Asiatische Völker und Staaten – Modul 10 (ca. 8 Std.)

Die Schüler nehmen Einblick in die für sie zunächst fremde historische Kultur Asiens. Sie erweitern damit ihre vorrangig westlich-europäisch geprägten Vorstellungen. Anhand herausragender Denkmäler lernen sie Beispiele für Lebensweise und Denken, Kunst und Technik historischer asiatischer Völker kennen und können deren kulturelle Leistungen in ihrer Eigenbedeutung wie im Vergleich mit den gleichzeitigen bzw. späteren Verhält­nissen in Europa beurteilen und würdigen.

Zentrales Thema:

  • Tempel, Klöster und Mausoleen: sakrale Monumente in Süd- und Südostasien

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • frühe Stadtkulturen am Indus: Harappa, Mohenjo Daro
  • das Mausoleum des ersten Kaisers von China und seine Terrakotta-Armee
  • das Alte China: Große Mauer, Kaiserkanal und Seidenstraße
  • asiatische Steppenvölker: Skythen, Hunnen, Mongolen
  • die polynesischen Rapa Nui auf der Osterinsel

Ar 11/12.11 Amerika vor Kolumbus – Modul 11 (ca. 8 Std.)

Die Schüler lernen die altamerikanischen Kulturen der Maya, Inka und Azteken sowie anderer Völker als ent­wickel­te städtische Zivili­sa­tionen kennen. Sie befassen sich dabei u. a. mit Stadtanlagen und Tempelpyramiden, Astro­nomie, Kalender und Schrift. In Auseinandersetzung mit den archäologischen Denkmälern korrigieren sie auch idealisierende Vor­stellungen vom „paradiesischen“ Leben der Indianer und lernen die ideologische schriftliche Tradition der europäischen Eroberer und Missionare historisch zu beurteilen.

Zentrales Thema:

  • die städtische Zivilisation der Maya

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • die Besiedelung Amerikas: Paläoindianer und Clovis-Kultur
  • die Olmeken als Impulsgeber für die altamerikanische Zivilisation
  • Teotihuacan – die erste amerikanische Großstadt
  • Pueblo-Indianer in Nordamerika
  • Herrschaft und Kult im Reich der Inka
  • Tenochtitlan: das Herrschaftszentrum der Azteken

Ar 11/12.12 Archäologie des Mittelalters – Modul 12 (ca. 12 Std.)

Die Schüler erhalten durch die Beschäftigung mit der Archäologie des Mittelalters Einblicke in dieses germa­nisch-feudal und römisch-katholisch geprägte Jahrtausend. In der Diskussion um die Stammesbildung der Baiern erarbeiten sie die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen kulturell gewachsener und politisch geformter Identität. Stadtarchäologische Forschungen vermitteln ihnen die Bedeutung städtischer Lebensweise. Rittertum und Klerus werden – oft gegen literarische Idealisierung – für die Schüler in ihrer Sachkultur und in der Architektur historisch greifbar. Durch die Beschäftigung mit der Kunst und Architektur des frühen Christentums sowie des Byzantinischen Reiches erkennen sie die über Jahrhunderte bestehenden Verbindungslinien, aber auch eigenständigen Entwicklungen im westlichen und östlichen Mittelmeerraum.

Zentrale Themen:

  • merowingische Reihengräberzivilisation und die Stammesbildung der Baiern
  • Stadtarchäologie: Leben in der mittelalterlichen Stadt
  • frühchristliche und byzantinische Kunst und Architektur

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • die Wikinger-Stadt Haithabu
  • mittelalterliches Leben im Dorf und auf dem Hof
  • Adel und Rittertum: Burgen, Pfalzen und Schlösser
  • sakrale Architektur: Kirchen und Klöster
  • Schratzellöcher – Erdställe in Bayern
  • sakrale Architektur (Kirchen und Klöster) und frühchristliche Kunst im Westen und im Byzantinischen Reich, z. B. Entwicklung und Ausstattung der Basilika

Ar 11/12.13 Archäologie der Neuzeit – Modul 13 (ca. 12 Std.)

Die Schüler erkennen, dass sich archäologische Forschung nicht nur mit Epochen der fernen Vergangenheit be­fasst, sondern auch zur neueren und jüngsten Geschichte wesentliche Einsichten zu liefern vermag. Dazu zählt auch das Bewusstsein, dass historisch bedeutsame Stätten des 16. bis 20. Jahrhunderts schützenswerte Denk­mäler sein können. Die Schüler begegnen hier einer jüngeren Forschungsrichtung der Archäologie und einer all­gemein weniger bekannten Aufgabe des Denkmalschutzes, deren Bedeutung auch für Bayern aufgezeigt werden kann.

Zentrale Themen:

  • Industriearchäologie: historische Fabriken und Bergwerke, Arbeiter- und Knappensiedlungen, z. B. Fugge­rei, Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg, Salzbergwerk Berchtesgaden
  • Archäologie des III. Reiches: z. B. Zwangsarbeiterlager, NS-Konzentra­ti­ons­lager, „Atlantikwall“ und Bun­ker­an­lagen

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • (Stadt-)Schlösser der Renaissance (z. B. Ingolstadt, Füssen oder Neuburg an der Donau)
  • frühneuzeitliche Festungen und Schlachtfelder, z. B. aus dem Dreißigjährigen Krieg, Höchstädt 1704
  • Gartenarchäologie: Rekonstruktion barocker und klassizistischer Parkanlagen (z. B. Seehof, Schleißheim)
  • neuzeitliche Schiffswracks: Dokumentation, Bergung, historische Interpretation und Vermarktung
  • die Grenzbefestigungen der DDR, v. a. Berliner Mauer und Checkpoint Charlie; vgl. z. B. auch das Stasi-Ge­fäng­nis Hohenschönhausen

Ar 11/12.14 Archäologie und Denkmalschutz in der Öffentlichkeit – Modul 14 (ca. 12 Std.)

Die Schüler machen sich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung von Archäologie und Denkmal­schutz bewusst. Sie reflektieren und diskutieren, wie archäologische Erkenntnisse in die Öffentlichkeit vermittelt werden. Dabei erkennen sie, dass die mediale Präsentation wissenschaftliche Inhalte beeinflusst und individuelle Einstellungen formt. Dies geschieht in pädagogischer Absicht vereinfachend und akzentuierend, aber auch in kommerzieller Absicht verfälschend. Die Schüler begreifen, dass wirksamer Denkmalschutz auf gesellschaft­lichen Konsens angewiesen ist, und sehen die Notwendigkeit zu Engagement für die Denkmalpflege.

Zentrale Themen:

  • Konservierung, Restaurierung und Präsentation von Funden und Befunden in Museen
  • Kunstraub und „Beutekunst“: globaler Kunstmarkt und internationale Politik
  • Archäologie im Spiegel von Kunst und Medien

Erweiterungen und Vertiefungen:

  • Geschichte von Archäologie und Denkmalschutz
  • rechtliche Grundlagen von Archäologie und Denkmalschutz
  • Stadtentwicklung und Denkmalschutz: vom Konflikt zum Kompromiss
  • Denkmalschutz und Tourismus
  • Archäologie-Parks: Vermittlung von Unterhaltung und Bildung, z. B. Römerpark Ruffenhofen, Limespark Ellingen, Archäologischer Park Xanten
  • spekulative Interpretationen und Theorien zur Archäologie