6 Israelitische Religionslehre (2)

Neben der wachsenden Neugier auf die Welt gewinnt die Bezugsgruppe jetzt für die Schüler an Bedeutung. Im Religionsunterricht erschließen und verstehen die sich vor der Bat- und Bar-Mizwa befindlichen Schüler die für ihre jüdische Identitätsbildung richtungsweisenden Grundsteine des jüdischen Lebens. Sie können in der Beschäftigung mit den jüdischen Feiertagen die Bedeutung der jüdischen Tradition für den Lebensalltag wahrnehmen.

In der Jahrgangsstufe 6 erwerben die Schüler folgendes Grundwissen:
  • die religiöse und geschichtliche Bedeutung der jüdischen Feiertage kennen
  • Grundformen des jüdischen Lebens erklären können
  • Grundlagen der jüdischen Ethik kennen
  • an einem Fallbeispiel eine Möglichkeit der konstruktiven Konfliktbearbeitung darstellen können
  • die mit den Grundformen jüdischen Lebens zusammenhängenden Begriffe in Wort und Schrift anwenden können

Isr 6.1 Der jüdische Jahreskreis II

In Weiterführung von Isr 5.3 sollen die Schüler Einblick gewinnen in die zeitlich und geographisch sehr fern liegende Epoche der Volkwerdung Israels. Sie lernen hierbei die religiösen, politischen und sozialen Verhältnisse kennen. Sie erfassen die Verbindung dieser Verhältnisse mit den Aspekten der Feiertage.

  • die geographische und gesellschaftliche Lage des Volkes Israel wahrnehmen
    • Israel in der Ägyptischen Knechtschaft, seine Befreiung, die Wüstenwanderung und die Landnahme
  • den religiös-geschichtlichen Aspekt der Feiertage erfassen
    • Schabbat, Schalosch Regalim, Jamim Noraim (3 BM 23)

Isr 6.2 Die Grundformen jüdischen Lebens

Die Schüler setzen sich mit den Grundformen jüdischen Lebens auseinander und erfassen ihre Bedeutung für den jüdischen Lebensalltag.

  • wahrnehmen, dass die Grundformen jüdischen Lebens wie Zizit, Tefillin, Mesusa, Kaschrut zur jüdischen Lebenspraxis gehören und die jüdische Identität maßgeblich bestimmen
    • Kaschrut: Erlaubte und verbotene Speisen (3 BM 11: 2-47; 5 BM 14:2-21)
    • Identitätsmerkmale: Zizit, Tefillin, Haartracht (4 BM 15:37-41; 5 BM 6:4-9)
    • Beschneidung als Zeichen des Bundes (1 BM 17:1-14)
  • die Umsetzung der Gebote der Tora im Lebensalltag als maßgeblich für die Weiterexistenz des Judentums begreifen lernen
    • eigene Erfahrungen mit der Ausübung der Mizwot (z. B. Speisegebote)
    • Beherrschung der für die Grundformen jüdischen Lebens wichtigen Begriffe in Wort und Schrift

Isr 6.3 Begegnung mit der Bibel (Tenach) II

Im Tenach gewinnen die Schüler Kenntnisse über die Grundlagen jüdischer Ethik. Sie erkennen, dass die Sozialgebote des Judentums jüdisch-ethisches Handeln bis in die Gegenwart maßgeblich prägen. Sie erfahren von der auf der Verbindung von G-tt, Mensch und Mitmensch beruhenden Verantwortung des Individuums gegenüber Schöpfer, Schöpfung und Mitmensch.

  • den Zusammenhang zwischen persönlichem Verhalten und gesellschaftlichem Handeln wahrnehmen
    • Nächstenliebe (3 BM 19:18)
    • hebräischer Knecht (5 BM 15:12-18)
    • Fremde, Arme (5 BM 15:1- 11)
  • die menschliche Verantwortung gegenüber der Schöpfung erkennen
    • Mensch und Natur (1 BM 1:28-31)
    • Mischfrucht und verbotene Stoffmischungen (3 BM 19:19; 5 BM 20:19.20; 5 BM 22:11)

Isr 6.4 Leben in Gruppen (  Ev 6.5)

Die Zugehörigkeit zu Gruppen wird für Schüler zunehmend wichtig. Sie sollen sich der Rollenerwartungen und Anforderungen, der Chancen und Konflikte, die das Leben in Gruppen mit sich bringt, bewusst werden. Die Beschäftigung mit Menschen in außergewöhnlichen Lebenssituationen kann die Selbstwahrnehmung verändern und damit die Persönlichkeitsentwicklung fördern und die Schüler zum Verständnis für anderes und andere, zur persönlichen Stellungnahme und zu solidarischem Handeln herausfordern.

  • die Bedeutung von Freundschaften für unser Leben erfassen
    • Beginn, Gestaltung und Wert einer Freundschaft (z. B. David und Jehonathan)
  • ein Gespür entwickeln für gruppenspezifische Prozesse
    • Kennzeichen von Gruppen: Ziele, Regeln, Rangordnung, Symbole, Riten (z. B. in der jüdischen Tradition: Geonim, Gelehrte, chassidische Gruppierungen, sefardische und aschkenasische Traditionen, verschiedene Gebetsriten etc.)
    • Konflikte in Gruppen: mindestens ein Beispiel aus der jüdischen Geschichte (z. B. Hillel- Schamaj, Zadokim- Peruschim, Chassidim- Mitnagdim) und aus dem Erfahrungsbereich der Schüler (z. B. Streit und Versöhnung, Rollenzwang, Gruppendruck, Mobbing)
  • Menschen in besonderen Situationen als Nächste wahrnehmen und in ihrer Würde achten lernen
    • Leben am Rande, z. B. Außenseiter, Fremde, oder: Menschen mit Handicaps, Behinderungen, Erkrankungen

Isr 6.5 Gebet als Ausdruck des Glaubens und der Identität II

Die Schüler erfassen die Bedeutung, Aktualität und Zeitlosigkeit der jüdischen Gebetstradition für ihr persönliches Leben. Sie begegnen den Psalmen in den verschiedenen Formen der jüdischen Gebetstradition und entdecken dabei die mannigfaltigen Ausdrucksformen menschlicher Gefühle.

  • verschiedene Psalmen und die in ihnen zum Ausdruck kommenden menschlichen Gefühlsregungen kennenlernen, z. B. Ps 1 als Ausdruck der Freude und Zuversicht, Ps 6 als Ausdruck von Niedergeschlagenheit und Zerknirschtheit, Ps 23 als Ausdruck von Geborgenheit, Ps 126 als Ausdruck der Hoffnung
  • die Bedeutung der Psalmen in den täglichen Gebeten erfassen
    • z. B. Ps 100, 145 im Morgen- und Nachmittagsgebet, Ps 104 für Rosch Chodesch