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8 Latein (2. Fremdsprache) (4)

Mit der Jahrgangsstufe 8 wird die grundlegende Spracherwerbsphase abgeschlossen. Die Schüler festigen und erweitern den bisherigen Grundwortschatz und ergänzen ihre Grammatikkenntnisse durch wesentliche noch fehlende Erscheinungen der Formen- und Satzlehre. Das wachsende Interesse der Jugendlichen an Kausalzusammenhängen erlaubt es ihnen, größeren Wert auf die Systematisierung der sprachlichen und syntaktischen Inhalte und ihre Vernetzung mit den vorhergehenden Lernjahren zu legen, so dass sie die lateinische Sprache als in sich geschlossenes System begreifen. Begleitend zur Lektüre erweitern die Schüler das Grundvokabular durch lektürerelevante Wörter und Wendungen; darüber hinaus werden sie in die Arbeit mit einer Wortkunde eingeführt.

Die erworbenen Techniken der Satzanalyse wenden die Schüler, auch im Rahmen der Übergangslektüre, auf längere Textpassagen an; bei der Übersetzung achten sie besonders auf einen den Erfordernissen des Deutschen gemäßen Satzbau und Ausdruck. Sie üben, Texte nach verschiedenen inhaltlichen Aspekten zu strukturieren, und verfolgen einen Handlungsstrang über mehrere Lektüreabschnitte hinweg.

Anhand der lateinischen Texte und Lektüreeinheiten setzen sich die Schüler mit bedeutenden Themen der griechisch-römischen Welt auseinander, befassen sich ggf. mit der Vulgata als einem grundlegenden Text christlich-abendländischen Denkens oder einigen Aspekten des römischen Rechts und können, etwa am Beispiel der Fabel, einen Einblick in das Fortleben der lateinischen Sprache und Literatur in Mittelalter und Neuzeit gewinnen. Die Übergangslektüre orientiert sich an den Interessen der Altersgruppe. Die Beschäftigung mit den Inhalten der gelesenen Texte regt die Jugendlichen an, über die angesprochenen Probleme nachzudenken und Lösungsansätze zu entwickeln.

In der Jahrgangsstufe 8 erwerben die Schüler folgendes Grundwissen:
  • erweitertes Grundvokabular auch im Rahmen der Übergangslektüre; Techniken der Wortschatzarbeit (auch nach wortkundlichen Prinzipien)
  • Formen- und Satzlehre; Gesamtüberblick über die Systematik der lateinischen Grammatik; Stammformen von Verben
  • lateinische Texte verstehen und in angemessenes Deutsch übertragen
  • einfache literarische Texte formal und inhaltlich erschließen; einfache stilistische Erscheinungen erkennen und bestimmen; ggf. Fabel als literarische Gattung
  • weitere Aspekte der Kultur und Zivilisation der Römer; bedeutende Gestalten der griechisch-römischen Welt; ggf. Aspekte des römischen Rechts; Weiterleben der antiken Kultur und Literaturin Mittelalter und Neuzeit
  • die Bedeutung des Lateinischen für die kulturelle Entwicklung Europas; Kulturwortschatz; Fortleben lateinischer Wörter in modernen Fremdsprachen
  • die Antike mit der heutigen Lebenswelt vergleichen

L2 8.1 Sprache

Mit Abschluss der grundlegenden Spracherwerbsphase sind die Schüler in der Lage, alle wichtigen Phänomene aus dem Bereich der Formenlehre und Syntax in einem Text zu erkennen. Im Bereich des Vokabulars beherrschen sie wesentliche Prinzipien der Wortbildung und können den Wortschatz nach verschiedenen Kriterien strukturieren. Sie verstehen es immer besser, auch komplexe syntaktische Zusammenhänge zu analysieren, die erworbenen Fähigkeiten können sie auch für die Übergangslektüre nützen.

Wortschatz

  • Erweiterung des Grundvokabulars (ca. 400 Wörter und Wendungen, dazu Kulturwortschatz)
  • Wortschatzarbeit (v. a. Wort- und Sachfelder, Wortfamilien)
  • Wiederholung des Grundvokabulars und lektürebegleitende Wortschatzerweiterung
  • Einführung in die Arbeit mit einer Wortkunde

Formenlehre

  • weitere Grundbegriffe (Komparativ, Deponens, Gerundiv u. a.)
  • Substantive
    • weitere Substantive v. a. der 3. Deklination
  • Adjektive
    • Steigerung
  • Pronomina
    • Indefinitpronomen (z. B. aliquis)
  • Numeralia
    • weitere Grund- und Ordnungszahlen, ggf. als Wortschatz
  • Adverbien
    • Steigerung
  • Verben
    • fieri
    • Deponentien
    • Semideponentien, ggf. als Wortschatz
    • Nominalformen: Infinitiv Futur Aktiv, Partizip Futur, Gerund, Gerundiv
    • Stammformen weiterer Verben

Satzlehre

  • weitere Grundbegriffe
  • Satzmodell
    • weitere Füllungsarten
    • Satzanalyse
  • Verwendung der Kasus
    • Genitiv des geteilten Ganzen
    • Dativ des Urhebers
    • Ablativ des Vergleichs
  • Modi
    • Bedeutungen des Konjunktivs im Relativsatz, ggf. in Verbindung mit der Übergangslektüre
    • Bedeutungen des Konjunktivs im Hauptsatz (Hortativ, Jussiv, Optativ, Prohibitiv; Deliberativ und Potentialis der Gegenwart)
  • Gliedsätze
    • als Satzglieder
    • verschränkter Relativsatz (mit AcI u. a.), ggf. in Verbindung mit der Übergangslektüre
    • ggf. weitere Adverbialsätze bzw. Sinnrichtungen
  • satzwertige Konstruktionen
    • AcI (nachzeitig; Aktiv)
    • Partizip (nachzeitig)
    • Gerundiv
    • NcI (3. Person), ggf. in Verbindung mit der Übergangslektüre

Weitere, im Verlauf der Lektürephase zu behandelnde Stoffe:

historisches Präsens; historischer Infinitiv; Imperativ II; indirekte Rede (mit consecutio temporum)

L2 8.2 Textarbeit

Das Verstehen und das Übersetzen altersgemäßer, auch längerer lateinischer Texte und Lektüreeinheiten stellen wesentliche Lernziele des Unterrichts dar. Dabei erweitern die Schüler ihre Fähigkeit, anspruchsvollere sprachliche Strukturen zu analysieren, Texte nach inhaltlichen und sprachlichen Kriterien zu erschließen und eine zeitgemäße und stilistisch angemessene Wiedergabe im Deutschen zu finden. Anhand unterschiedlicher lateinischer Textgattungen werden ihnen weitere gattungsspezifische Merkmale vermittelt, und sie lernen, einfache stilistische Erscheinungen zu erkennen. Im Rahmen der Übergangslektüre verfolgen sie einen Handlungsstrang über mehrere Lektüreabschnitte hinweg.

  • Übersetzung auch längerer lateinischer Texte
  • Übersetzung erster, auch adaptierter Originaltexte
  • sprachliche und inhaltliche Erschließung von Texten
  • Erkennen gattungsspezifischer Merkmale und einfacher stilistischer Erscheinungen

L2 8.3 Übergangslektüre

Als Übergangslektüre dienen geeignete Texte erzählenden, historischen oder anekdotischen Inhalts (ggf. in adaptierter Form). Grundsätzlich sind in der Lektürephase die Wahl- bzw. Gewichtungsmöglichkeiten innerhalb der einzelnen Blöcke (gekennzeichnet durch und/oder, oder, fakultativ, z. B.) zu beachten, die eine individuell auf den Kenntnisstand der Schüler abgestimmte Stoffverteilung ermöglichen.

Fabelhaftes Fiktionales Spannendes

In dieser ersten Phase der Übergangslektüre ermöglicht der verhältnismäßig geringe Schwierigkeitsgrad der Texte ein zügigeres Lesen. Die Texte entsprechen den Neigungen und Interessen der Jugendlichen und regen sie zu weiterer Beschäftigung mit lateinischer Literatur an. Am Beispiel von Fabeln des Phaedrus können sie einige Merkmale antiker poetischer Texte erarbeiten und so in ersten Ansätzen das Zusammenspiel von Inhalt und Sprache verstehen lernen.

  • Textauswahl z. B.
    Phaedrus: Fabeln; Hygin: Fabulae; Gellius: Noctes Atticae; Gesta Romanorum; Historia Apollonii regis Tyri; Amerigo Vespucci [→ E2 8.3; It3 8.3; Geo 8.2.3]; Piccolomini: Euryalus et Lucretia; weitere geeignete Prosatexte von der Antike bis zur Neuzeit

oder

Alles, was Recht ist

Die Schüler befassen sich mit einigen Fällen aus dem römischen Recht, mit Rechtsregeln und Sprichwörtern. Dabei gewinnen sie einen ersten Einblick in antikes und modernes Rechtsdenken und erkennen, dass menschliches Zusammenleben grundsätzlich bestimmter Regeln bedarf.

  • ausgewählte Fälle aus dem römischen Recht, Rechtsregeln [→ WRWSGW 8.2] und Sprichwörter

oder

Das Buch der Bücher

Die Schüler lernen den grundlegenden Text des christlich-abendländischen Denkens in seiner lateinischen Fassung kennen. Anhand ausgewählter Passagen aus dem Alten und Neuen Testament entdecken sie nicht nur seine Vielschichtigkeit und sprachliche Besonderheit, sondern machen sich auch bewusst, in welchem Maße die lateinische Übersetzung zur Wirkung der Bibel über die Jahrhunderte hinweg beigetragen hat [→ K 8.3; Ev 8.3].

  • Vulgata (in Auszügen): z. B. Joseph und seine Brüder, biblische Gleichnisse

L2 8.4 Antike Kultur und ihr Fortleben

Die Jugendlichen setzen sich mit bedeutenden Persönlichkeiten der Antike, mit Fragen der Philosophie und ggf. des römischen Rechts sowie mit fiktionalen Texten auseinander und vertiefen ihre Kenntnisse über die griechisch-römische Welt. Sie erfassen die vielfältigen Einflüsse griechischer Kultur und Denkweise auf weite Bereiche des römischen Lebens und setzen sie auch in Bezug zu eigenständigen römischen Kulturleistungen. Zudem lernen sie das Lateinische als Sprache der Wissenschaft und der Kirche in Mittelalter und Neuzeit kennen. Dabei erweitern sie ihr Wissen um die Bedeutung der lateinischen Sprache und der antiken Kultur für die europäische Tradition. Auf der Grundlage der Textinhalte reflektieren die Schüler menschliche Verhaltensweisen und beschäftigen sich mit Fragen der persönlichen Lebensgestaltung. Dadurch werden sie angeregt, Bezüge zu ihrer eigenen Erfahrungswelt herzustellen.

Schwerpunktthemen:

  • weitere Bereiche antiker Kultur und Zivilisation
  • bedeutende Gestalten der antiken Welt
  • Grundzüge der antiken Philosophie und des römischen Rechts
  • die Bedeutung der griechisch-römischen Antike für die kulturelle Entwicklung Europas in Mittelalter und Neuzeit
  • Rezeption antiker Motive

L2 8.5 Methodisches und selbständiges Arbeiten

Auf der Grundlage der im Unterricht vermittelten Arbeitstechniken sind die Schüler zunehmend in der Lage, ihr bisher erworbenes Wissen themenbezogen zu strukturieren, Arbeitsergebnisse übersichtlich zusammenzufassen und unter Einsatz geeigneter Medien in Unterrichtsbeiträgen zu präsentieren. Am Ende der Spracherwerbsphase sind ihnen alle Bestandteile des Lehrbuchs sowie ggf. Zusatzmaterialien so vertraut, dass sie eigenständig Wortschatz und Grammatik üben und wiederholen können.

  • Techniken des Wortschatz- und Grammatiklernens vertiefen und eigenständig einsetzen (z. B. mit der Wortkunde)
  • vielfältige Bezüge zu modernen Fremdsprachen eigenständig herstellen
  • Übersetzungstechniken und Verfahren der sprachlichen und inhaltlichen Erschließung auch auf die Übergangslektüre selbständig anwenden
  • Lerninhalte übersichtlich strukturieren
  • Kultur- und Sachwissen anhand verschiedener Hilfsmittel, z. B. Nachschlagewerke bzw. Lexika, CD-ROMs, Fachzeitschriften, überprüfen und ergänzen
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